Kategorie: claudio

  • Macht sich Gedanken, schreibt zuhause ins Notizbuch, sagt nichts

    Ich bin wieder zuhause und habe noch ein mulmiges Gefühl von der Interaktion, die ich beobachtet habe.

    Ich nehme mein Notizbuch hervor, um ein paar Gedanken zu notieren. Ich frage mich, wie ich mit der Situation umgehen soll. Soll ich auf Simon oder auf Dana, die ich von früher kenne, zugehen? Oder lieber vergessen, was passiert ist?

    Schreibt einen möglichen Notizbuch-Eintrag von Claudio.

  • Start Perspektive Claudio

    Ab jetzt seid ihr Claudio. Ihr entscheidet, wie ihr als Claudio die Situation navigiert.

    An einem schönen Abend, in einem sympathischen Club: Ich bin mit Simon wiedermal im Ausgang. Wir kennen viele Leute und haben schon einiges getrunken.

    Ich stehe im hinteren Teil des Clubs und sehe, wie Simon richtig nahe mit jemandem tanzt und denke mir, „ah, bei denen läuft heute Abend sicher noch was“. Ich tanze noch ein bisschen weiter und gehe dann raus, eine Zigarette rauchen.

    Draussen schaue ich über den Platz und sehe Simon mit derselben Person und einer weiteren Person sprechen. Die zweite Person erkenne ich: Es ist Dana, mit ihr war ich früher in der Schule. Das Ganze sieht ziemlich angespannt aus. Die beiden lassen Simon ziemlich plötzlich da stehen und gehen. Ich laufe zu Simon …

  • Abend weiter geniessen, nicht weiter thematisieren

    Du bist verwirrt und sagst erstmal nichts mehr.

    Weil du die Situation nicht verstehst, machst du einfach weiter Party, als wäre nichts gewesen.

    Verwirrung und Überforderung

    Verwirrt oder überfordert zu sein, kann vorkommen und ist nicht per se das Problem. Entscheidend ist vielmehr der Umgang mit den Gefühlen und die daraus resultierenden Handlungen.

    Einfach weiterzumachen, als wäre nichts passiert, ist kein konstruktiver Umgang. Damit signalisierst du aktiv, dass nichts an Simons Verhalten problematisch ist.

    Dadurch bleibt das Risiko bestehen, dass Simon sein übergriffiges Verhalten im Verlauf des Abends und darüber hinaus weiter ausübt. Es wird keine Verantwortung für die Situation übernommen und keine Veränderung angestossen.

  • Erzählung Aufarbeitungsprozess

    In den darauffolgenden Monaten verändert sich in Simon und Claudios Leben viel.

    Simon nimmt sich Zeit, sein grenzüberschreitendes Verhalten aufzuarbeiten. Zusammen mit seiner älteren Schwester und Claudio bilden sie eine Aufarbeitungsgruppe, in der sie u.a. auf Milas Forderungen und Bedürfnisse eingehen.

    Durch intensive Gespräche mit seiner Schwester, fängt Simon an, über seine Kindheit zu reflektieren. Er lernt einzuordnen, was ihm zuhause und durch seine männliche Sozialisierung beigebracht wurde. Durch diesen Prozess fängt er an, patriarchale Denk- & Handlungsmuster zu verlernen. Zum Beispiel achtet er in Gruppen mehr darauf, wer wie viel spricht und schaut, dass er anderen nicht ins Wort fällt und aktiv zuhört.

    Für Claudio war die ganze Aufarbeitung mit Simon ein kühles Erwachen. Auch er befasst sich intensiv mit seinem eigenen männlich geprägtem Verhalten und seinen Privilegien. Diese nutzt er, um Raum für weniger privilegierte Personen zu schaffen. Zum Beispiel ist er jetzt aktiv im Studierendenrat und setzt sich dort für feministische Aufklärungsarbeit und Betroffenenunterstützung an Universitäten ein.

    Durch die Auseinandersetzung mit den strukturellen Ungleichheiten politisieren sich Simon und Claudio. Zusammen treten sie der politischen Gruppe Bewegungsfreiheit für alle (Bfa!) bei. Dort engagieren sie sich gegen Europas Todespolitik. Sie wissen: Viele Frauen und Queers erleben auf der Flucht sexualisierte Gewalt. Sich für sichere Fluchtwege und Bewegungsfreiheit einzusetzen ist also auch ein feministisches Anliegen!

    Ihr seid am Ende des Szenarios angekommen. Diese Runde ist hier fertig.

  • nicht weiter einchecken mit Simon

    Da ihr nicht weiter mit Simon eincheckt und er selbst den Vorfall nicht mehr anspricht, geht das Thema unter. Es entsteht keine Aufarbeitung und auch keine mögliche Transformation.

    Deshalb seid ihr am Ende des Szenarios angekommen. Diese Runde ist hier fertig.

    Gefahren dieser Entscheidung
    • es wird keine Verantwortung übernommen
    • dies kann resultieren in:
      • keine Veränderung in Simons Verhalten: er ist weiterhin übergriffig und verletzt dadurch aktiv andere Menschen
      • keine kritische Einordnung, kein Benennen der Gewalt
      • keine Möglichkeit zur Aufarbeitung geschweige denn Transformation