Es ist Prüfungsphase, ich merke, das Gespräch stresst mich langsam. Ich kann mich nicht auf’s Lernen konzentrieren. Wieso muss ich mich darum kümmern? Ich hab doch gar nichts gemacht.

Einbettung

In der Analyse von Transformativer Gerechtigkeit passiert Gewalt nie in einem Vakuum, sondern ist immer in einem Umfeld und gesellschaftlichen Strukturen eingebettet.

Damit ist gemeint:

  • Umfeld(er), in dem die Gewalt passiert ist
    • privat (z.B. in Freund*\innengruppe)
    • politisch (z.B. in einem Kollektiv)
    • Lohnarbeit (am Arbeitsplatz)
    • öffentlicher Raum (z.B. im ÖV)
    • … (nicht abschliessende Liste)
  • systemische Unterdrückungsformen und deren Auswirkungen auf Personen & Umfeld
    • Rassismus
    • Sexismus
    • Be_hindertenfeindlichkeit
    • Queerfeindlichkeit
    • … (nicht abschliessende Liste)
  • Kapitalismus als Ausbeutungssystem

→ Dies ist wichtig, weil diese Faktoren beeinflussen, ob und wie Menschen Gewalt ausüben und wie das Umfeld darauf reagiert.
Auf struktureller Ebene ist wichtig, sich zu fragen: Welche Bedingungen fördern Gewalt?

Versucht man Gewalt unabhängig dieser Faktoren zu lösen, bekämpft man oft nur die Auswirkungen und nicht die tiefer liegende Ursache. (Symptombekämpfung)

Das heisst: eine Aufarbeitung muss auch in den Umfeldern passieren. Sprich: das Umfeld spielt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von TG. Dies nennt sich auch Community Accountability (Gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme).

In diesem Szenario heisst das, dass gerade Claudio als weisser cis Mann Verantwortung und emotionale Arbeit übernimmt, statt diese an Frauen und Queers abzugeben (wie das sonst die patriarchale Norm ist).

Ausserdem war er am Abend des Übergriffs mit Simon unterwegs und hat ein Vertrauensverhältnis zu ihm, wodurch er eine Schlüsselrolle bei der Aufarbeitung einnehmen kann.